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Artikel: Entwicklung angewandter Werbepsychologie - Fernsehwerbung

Autor: Christian, 20545 × angezeigt

Waldschule, KGS 12. Jahrgang
Gymnasialzweig Abiturjahrgang 2010
Schwanewede


FACHARBEIT

Seminarfach SR

Entwicklung angewandter Werbepsychologie

Fernsehwerbung


Verfasser/in : Christian Krauße
Abgabetermin : 28.03.2009


VORWORT

Sie begegnet uns auf der Straße, in unserer Wohnung und am Arbeitsplatz. Sie weckt uns am Morgen und wiegt uns am Abend in den Schlaf. Es vergeht heutzutage kaum eine Minute, in der wir nicht mit Werbebotschaften überhäuft werden. So ist die Werbung u.U. morgens das erste, was wir sehen und hören, wenn wir vom Wecker mit der Guten-Morgen-Sendung im Radio begrüßt werden, die vom Hersteller des besten Kaffees präsentiert wird. In der Zeitung, die wir lesen, während wir unsere Cornflakes essen, gibt es ganze Seiten, die nur für Anzeigen reserviert sind.
Unsere Welt ist so voll von mehr oder minder geschickt platzierter Werbung, dass sie uns manchmal schon gar nicht mehr auffällt. Doch selbst dann dringen die Verbraucherhinweise unbewusst in unser Gehirn und beeinflussen unsere Entscheidung. Oder können Sie immer einen rationalen Kaufgrund für die Produkte Ihrer Wahl nennen? Oft hat uns einfach nur die Produktpräsentation, der Name oder der Slogan angesprochen.
Weil die Menge der Werbung, gerade im Bereich neuer Medien, immer größer wird und die Wirkung auf jeden von uns bei genauer Betrachtung überraschen groß ist, habe ich mich entschlossen, im Rahmen dieser Facharbeit die Wirkungsweise von Werbung auf unser Bewusstsein näher zu untersuchen und die Frage zu klären, wie Werbung unser Handeln beeinflusst. Anhand eines Werbefilms möchte ich zeigen, auf welche Weise die unterschiedlichen Kenntnisse über die menschliche Wahrnehmung und Psychologie im Marketing eingesetzt werden. Des Weiteren deckt die Werbepsychologie gleich zwei meiner Interessengebiete ab. Zum einen wäre da die Psychologie, die entsprechend der Begründung der Psychoanalyse nach Sigmund Freud auch seinen Weg in das Produktmarketing fand, zum anderen die modernen Medien, die seit der weltweiten Verbreitung des Fernsehens ebenfalls zu Werbezwecken genutzt werden. Weiterhin versuche ich einen Ausblick in die Zukunft zu geben, in dem ich die tendenzielle Entwicklung der Werbung darstelle.



I. WAS IST WERBUNG?

Zum grundlegenden Verständnis der Thematik bietet sich zunächst eine kurze Definition des Begriffs Werbung an.
Werbung ist im weitesten Sinne zielgerichtete Kommunikation mit der Intention beim potenziellen Kunden Aufmerksamkeit zu wecken, das umworbene Produkt also erstmal bekannt zu machen und ihn dann soweit zu überzeugen, dass ein Kaufwunsch entsteht – sei er bewusst oder unbewusst.
Günter Schweiger definiert Werbung als „ein kommunikativer Beeinflussungsprozess mit Hilfe von (Massen-)Kommunikationsmitteln in verschiedenen Medien, der das Ziel hat, beim Adressaten marktrelevante Einstellungen und Verhaltensweisen im Sinne der Unternehmensziele zu verändern“1 (1995).
Systematische Werbung begann in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts, als Lebensmittelhersteller die Verpackungs- und Deklarationspflicht dazu nutzten, ihre Waren mit Werbeslogans zu versehen.“ Mitte des 20. Jahrhunderts kam schließlich der Werbefilm hinzu.2 Zunächst war der Werbefilm nur ein Experimentierfeld avantgardistischer Filmemacher.3So drehte der Schweizer François Henry schon 1896 den ersten zielgerichteten Werbefilm der Filmgeschichte. „Lavanchy-Clarke […] zeigte in dem mit Familienangehörigen im Hausgarten inszenierten Werbefilm DIE WÄSCHERINNEN/LAVEUSES drei Frauen beim Waschen an einem Bottich und das anschließende Aufhängen der sauberen weißen Wäsche.“4
Heute unterscheidet man drei Kreativstrategien der Werbung:
1.)Die informative Werbung
2.)Die emotionale Werbung
3.)Die Mischform5
Die informative Werbung versucht den Kunden mit rationalen Gründen von dem umworbenen Produkt zu überzeugen. Diese Methode kommt vor allem bei längeren Werbefilmen und Dauerwerbesendungen sowie bei mehrseitigen Flyern vor. Die emotionale Werbung hingegen setzt auf die Gefühle des Kunden, die sie versucht anzusprechen. Generell lassen sich diese Basisstrategien auf alle Bereiche der Werbung anwenden, jedoch ist immer die Funktionsweise der menschlichen Wahrnehmung zu beachten (vgl. II.).


1 http://de.wikipedia.org/wiki/Werbung#Definitionen (abgerufen am 02.01.2009 17.24 Uhr)
2 http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761564279/Werbung.html (abgerufen am 25.03.2009 17.21 Uhr)
3 Hans-Gerd Schmidt und Bernd Wiesener: In: Werbefilme Spiegel der Zeiten – Chronik des Alltags. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2002, S. 7, ISBN 3-89534-432-X
4 Ebenda, S.171
5 Monika Monzel: In: Werbepsychologie für Job und Alltag. Cornelsen, Berlin-Mitte, 2008, S.66, ISBN 978-3589-21931-5




II. EXKURS IN DIE NEUROBIOLOGIE

II.1 Die Aufnahmefähigkeit des Gehirns

Bei der Aufnahme von Informationen unterscheidet man zwischen kognitiver Informationsaufnahme und intuitiver (unterbewusster) Informationsaufnahme.
Bei der bewussten Aufnahme z.B. während eines Gesprächs beträgt die Informationsverarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns 40 Bits pro Sekunde. Bei der unterbewussten Informationsaufnahme hingegen beträgt sie elf Millionen Bits pro Sekunde – allein zehn Millionen Bits davon werden über das Auge aufgenommen, die restliche Million über die vier anderen Sinne.
Da uns die Informationsflut, die täglich auf uns einströmt, völlig überfordern würde, besitzt unser Gehirn ein wirksames Selektionssystem, das zwischen relevanten und irrelevanten Informationen unterscheidet. Nur so kann eine wirklich effiziente Arbeit gewährleistet werden. Keine Information, kein Bild, kein Geräusch und kein Gefühl gelangt sofort in das Langzeitgedächtnis. Jede Information durchläuft zuvor drei Stationen bzw. Speicher, die sie je nach Relevanz weitergibt oder löscht. Wird ein Reiz realisiert, gelangt er als Erstes in den sog. sensorischen Speicher. Hier bleiben die Informationen maximal für zwei Sekunden. Innerhalb dieser Zeit nimmt er die Selektion vor. Der sensorische Speicher ist also als Bewusstseinsfilter zu verstehen. Nach den zwei Sekunden werden die Informationseinheiten (eine Informationseinheit kann ein Bild oder ein Wort sein) in den Kurzzeitspeicher (oder das Kurzzeitgedächtnis) weitergeleitet. Hier können bis zu sieben Informationseinheiten für maximal 30 Sekunden behalten werden.

Gelangt eine Informationseinheit in den Langzeitspeicher (das können wir z.T. aktiv beeinflussen, in dem wir uns Wichtiges immer wieder ins Gedächtnis rufen uns wiederholen6), bleibt sie dort für den Rest unseres Lebens.7


II.2 Merken, Vergessen und Erinnern

Wenn eine Information den Langzeitspeicher nie wieder verlässt, wirft sich zwangsweise die Frage auf, wie der Vorgang des Vergessens abläuft.
Dazu müssen wir verstehen, wie das Merken funktioniert. Wir merken uns Informationen, indem sich in unserem Gehirn Verknüpfungen mit Erinnerungen, die in den jeweiligen Kontext passen, bilden. Sie werden gefestigt,.durch erneute Aufnahme der selben Information (z.B. wiederholtes Lesen von Vokabeln beim Lernen) und sind umso fester, je größer die Emotionen sind, die wir mit ihnen verbinden.8
Gedächtnisforscher gehen heute davon aus, dass wir einmal erlerntes nie wieder vergessen. „Bestätigt wird das durch neueste Forschungen der Neurobiologie (Sonja Hofer, Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried), denn es blieben in Versuchen mit Mäusen auch bei Inaktivität die Synapsenverbindungen zwischen den Nervenzellen bestehen. So zeigten Nervenzellen, die für die Verarbeitung von visuellen Informationen zuständig sind, ein deutlich erhöhtes Auswachsen neuer Zellkontakte, wenn sie zeitweise keine Information mehr von dem ihnen zugeordneten Auge bekamen. Nach etwa fünf Tagen hatten sich die Nervenzellen soweit neu verbunden, dass sie nun auf Informationen aus dem anderen Auge reagieren konnten - das Gehirn hatte also gelernt sich mit nur einem Auge zurechtzufinden.“ Wenn wir etwas vergessen, geschieht dies meistens aufgrund von Überlagerung oder Störung durch neue Informationen. Es fällt uns dann schwerer, eine bestimmte Information wiederzufinden (es liegt uns etwas auf der Zunge). Ist die Überlagerung so stark, dass die Information für uns unauffindbar ist, haben wir sie vergessen.
Das Erinnern funktioniert oft über Schlüsselreize. So schießt einem ein Gedanke in den Kopf, wenn man ein signifikantes Wort hört. Sachverhalte, die wir verstanden haben können wir uns dabei leichter wieder ins Gedächtnis rufen, als nur auswendig Gelerntes.
Das Erinnern ist also kontextabhängig und emotionsabhängig (Informationen, die wir mit stärkeren Emotionen verbinden, lassen sich schneller in Erinnerung rufen).9


II.3 Der Aufmerksamkeitszustand

Zu dem in II.1 beschriebenen Bewusstseinsfilter beeinflusst unser Aufmerksamkeitszustand unsere Aufnahmefähigkeit für Informationen. Dieser variiert je nach Situation. So sind wir im gestressten Zustand nur aufnahmefähig für die wichtigsten Informationen. Fahren wir beispielsweise im Straßenverkehr auf eine rote Ampel zu, ist dies für uns in dem Moment eine lebenswichtige Information, die uns zum Bremsen veranlasst, um Verkehrsunfällen vorzubeugen. In einer Solchen Situation wird uns kaum das Plakat an der Bushaltestelle rechts neben uns auffallen. Wir sind im Übrigen auch unsere Aufmerksamkeit kognitiv zu lenken. Wir sind also unserem intuitiven Bewusstseinsfilter nicht völlig ausgeliefert. Wir sind u.a. in der Lage einem bestimmten Gespräch unter vielen anderen in einem Raum zu folgen.10


6 http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/hirnforschung-das-werde-ich-nie-vergessen--_aid_191747.html (abgerufen am 05.01.2009 17.48 Uhr)
7 Monika Monzel: In: Werbepsychologie für Job und Alltag. Cornelsen, Berlin-Mitte, 2008, S.41, ISBN 978-3589-21931-5
8 http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/hirnforschung-das-werde-ich-nie-vergessen--_aid_191747.html (abgerufen am 05.01.2009 17.48 Uhr)
9 http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Vergessen.shtml (abgerufen am 05.01.2009 18.14 Uhr)
10 Werner Warmbier: In: Der programmierte Kunde. Econ (Ullstein Buchverlage GmbH), Berlin, 2008, S.61, ISBN: 978-3-430-30037-7




III. Grundlagen der Werbung

III.1 Erhöhung der Aufmerksamkeit

Eine der wichtigsten Formeln der Werbepsychologie ist die sog. A.I.D.A. Formel, ein Stufenmodell mit vier Phasen (nach Elmo Lewis)11.
Diese vier Stufen, die ein Kunde im Idealfall abläuft, lauten wie folgt:
• Attraction: Das beworbene Angebot muss so verpackt sein, dass die
Aufmerksamkeit erregt wird. Dies kann z.B. durch den Einsatz von stärkeren Reizen geschehen. Wie stark ein solcher Reiz sein muss, hängt von der Stärke der restlichen Umgebungsreize ab.
• Interest: Nachdem die Aufmerksamkeit des Betrachters gewonnen wurde, muss sein Interesse geweckt werden.
• Desire: Weitere Argumente sollen in ihm den Kaufwunsch erhöhen.
• Action: Der Umworbene soll seinen Kaufwunsch in die Tat umsetzen.12
Diese Formel ist sowohl auf die Werbung als auch auf die Produktpräsentation anzuwenden. In jedem Fall muss die Werbestrategie auf Umgebung, Situation und Zielgruppe angepasst werden.
Beim morgendlichen entspannten Lesen der Zeitung, kann eine sehr kleine Anzeige ausreichen, um sowohl Aufmerksamkeit als auch Interesse zu wecken. Um jedoch die Aufmerksamkeit eines konzentrierten Verkehrsteilnehmers zu erlangen, muss es schon etwas Auffälligeres sein. Das kann z.B. eine Neonreklame sein.


III.2 Zielgerichtete Kommunikation

Der Definition nach ist Werbung zielgerichtete Kommunikation. Das bedeutet, um sein Produkt oder seine Dienstleistung vermarkten zu können, muss man die  Grundlagen der Kommunikation beherrschen. Das Wort Kommunikation kommt aus dem Lateinischen communicare und bedeutet teilen, mitteilen, gemeinsam machen.13D.h. es beschreibt die Übermittlung von Gedanken, Informationen und Nachrichten. Der Kaffeeklatsch zählt dabei genauso zur Kommunikation, wie die Datenkommunikation mittels Computertechnologie oder Bildung (z.B. Unterricht).14
Das Grundmodell der Kommunikation ist das sog. Sender-Empfänger-Modell. Es spricht von fünf ausschlaggebenden Faktoren für eine gelungene Kommunikation.

Sender-Empfänger Modell von Bodo Wiska (freigegebenes Copyright)15

1.Der Sender: Er ist maßgeblich für das Gelingen der Kommunikation, da er die weiteren Faktoren beeinflusst.. Wird er vom Empfänger als interessant und wichtig eingestuft, findet er Gehör. Ein Sender kann ein Mensch oder eine Firma sein.
2.Die Botschaft/Nachricht: Sie ist der Dreh- und Angelpunkt erfolgreicher Kommunikation. Eine als nicht relevant bewertete Botschaft, wird – wenn überhaupt – nur kurz beachtet und dann schnell vom Empfänger vergessen. So kann es zwar sein, dass eine Werbung zwar Beachtung findet, weil sie in gewisser Weise originell ist, die gewünschte Reaktion (der Kauf) bleibt jedoch aus. Auch die Botschaft muss zielgruppenorientiert sein. Man sagt auch:„Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
3.Die Codierung: Ein Code ist die „Verschlüsselung“ der Botschaft. Bei der Codierung wird zwischen verbalen Codes (Wörter, Sätze) und nonverbalen Codes (Gestik, Mimik, Symbole, Farben, Gerüche) unterschieden.
Die nonverbalen Codes werden dabei als weitaus entscheidender beurteilt. Sie machen i.d.R. den ersten Eindruck aus. Auch die Codierung sollte zielgruppenabhängig gewählt werden, da je nach Milieu und Kulturkreis andere Codes als ansprechend gelten.
4.Der Kommunikationskanal: Er ist  der Mittler der Kommunikation. Somit gewährleistet er, dass die Nachricht beim Empfänger ankommt. Auch der Kanal muss auf die Zielgruppe abgestimmt sein. Die Zielgruppe muss gleichermaßen Zugang zu dem Kanal haben und ihn nutzen. So haben Jugendliche zwar ebenso wie Rentner Zugang zur Tageszeitung, jedoch wird dieses Medium verglichen mit dem Internet sehr wenig genutzt.
5.Der Empfänger: Er ist das Ziel der Kommunikation. Hat er kein Interesse oder ist er nicht in der Lage, die Botschaft zu dekodieren, waren alle Bemühungen, die seitens des Senders in die Kommunikation gesteckt wurden umsonst. Deshalb muss der Kunde direkt und in einer für ihn verständlichen Sprache angesprochen werden.16


11 http://de.wikipedia.org/wiki/AIDA-Modell (abgerufen am 26.03.2009 20.33 Uhr)
12 Bernd Röthlingshöfer: In: Werbung mit kleinem Budget. Dtv, München, 2004, S. 16,             ISBN 3-423-50876-0
13 http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation (abgerufen am 25.03.2009 18.49 Uhr)
14 http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761564117/Kommunikation.html (abgerufen am 25.03.2009 18.57 Uhr)
15 http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/0/0f/Sender-Empf%C3%A4nger-Modell.png (abgerufen am 05.01.2009 14.10 Uhr)
16 Monika Monzel: In: Werbepsychologie für Job und Alltag. Cornelsen, Berlin-Mitte, 2008, S. 8ff, ISBN 978-589-21931-5





IV. ANGEWANDTE WERBEPSYCHOLOGIE AM BEISPIEL FERNSEHWERBUNG

IV.1 Der Ford Ka Werbespot

Als Beispiel für die angewandte Werbepsychologie, werde ich die wohl geläufigste Form der Werbung, die Fernsehwerbung, analysieren. Ich habe mich für den aktuellen Ford Ka Werbespot entschieden, da er sich durch ein außergewöhnliches Design und einem kreativen Konzept von anderen Werbefilmen abhebt.

Ford Ka Seitenansicht17

IV.2 Die Filmanalyse

Affektiver Gesamteindruck: Der Film zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Kamerafahrt über die Szenerie aus. Die Bewegungen der Akteure wirken regelrecht gestellt, da sie sich entweder erst bewegen, wenn die Kamera näher gekommen ist oder wie zufällig durch das Bild laufen. Die Musik spricht den Zuschauer direkt an und fordert ihn auf, sich auf die Suche nach dem Fahrzeug zu machen. Wenn man nun tatsächlich etwas genauer hinschaut, entdeckt man überall Abbildungen des Autos oder Formen, die diesem ähneln. Man erwartet schließlich irgendwo das richtige Modell zu finden.
Script: Der Spot beginnt in einem Modegeschäft. Ein junger Mann mit Rucksack läuft durch das Bild. Die Kamera fährt nun durch den Laden hinaus in ein Einkaufszentrum und fliegt über dessen Besucher, die u.a. an den Tischen eines Cafés sitzen.Zuletzt fährt die Kamera nach draußen, wo der Ford Ka geparkt ist. Während des gesamten Spots gibt es keine erkennbaren Schnitte. Der Spot endet mit der Einblendung „Ford Ka“ und darauf dem Fordlogo mit dem Slogan „Feel the difference“.
Mise-en-scène: Der Schauplatz wirkt künstlich. Die Möbel sind sehr modern und sind in der Form wohl in den wenigsten Einkaufszentren zu finden. Das Arrangement der Dekoration macht, genauso wie das Verhalten der Personen, aufgesetzt. Die Regale sind zwar voll, jedoch fehlt die natürliche Unruhe, um einen wirklichkeitsnahen Eindruck zu erzeugen. Ähnlich verhält es sich mit den Besuchern des Einkaufszentrums. Das Café ist zwar gut besucht, allerdings sitzen die Gäste nur still auf ihren Plätzen, sodass sie fast nicht von den Schaufesterpuppen zu unterscheiden sind. Auch hier fehlt die natürliche Unruhe.
Als wiederkehrendes Symbol taucht immer wieder der Ford Ka auf. Sei es auf der Ladentheke, auf Kartons, als Hintergrund im Schaufenster oder zum Schluss als reales Fahrzeug.
Durch kleine Schwenks der Kamera wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers immer wieder auf kleine Details, wie den Eis essenden Jungen, gelenkt.
Die Szenerie wird durchgängig von einem tageslichtähnlichen Licht beleuchtet. Sichtbare künstliche Lichtquellen gibt es nur in dem Laden und in den Schaufenstern.
Kinematographie: Die Einstellungsgröße der Kamera wechselt ausgehend von der Kamerafahrt hauptsächlich zwischen Halbtotale, Halbnah und Nah. Ebenso ändert sich die Kamera-Perspektive. Es wird jedoch nur Normalsicht (Kamera etwa auf Mannshöhe) und Obersicht bzw. Vogelperspektive benutzt.
Nachbearbeitung: Wie bereits erwähnt, gibt es im gesamten Spot keine erkennbaren Schnitte (no cut). Über das Farbmastering kann man hingegen nur Vermutungen anstellen. Unter Umständen wurde den Farben hier noch mehr Intensität gegeben.
Vertonung: Im gesamten Spot gibt es keinen O-Ton, d.h. es werden keine Audiospuren verwendet, die während des Drehs von internen oder externen Mikrofonen aufgenommen wurden. Die einzige Audiospur ist die begleitende Musik, die durch den Text eine gewisse Spannung erzeugt. Der Zuschauer wird animiert, das umworbene Fahrzeug zu suchen („hast du mich denn schon entdeckt?“). So schaut der Zuschauer länger und konzentrierter zu.18


IV.3 Bewertung der Fernsehwerbung

Dieser Werbespot ist ein gutes Beispiel für zielgruppenorientierte Werbung.
Als Kleinwagen ist der Ford Ka für eine jüngere Käuferschicht gedacht. So fällt auch der Spot eher unkonventionell aus. Auch das Alter der Darsteller entspricht annähernd Ford Ka Seitenansicht19
dem der Zielgruppe. Durch den außergewöhnlichen Stil dieser Fernsehwerbung, wird, zusammen mit dem auffordernden Gesang, die Aufmerksamkeit des Zuschauers geweckt. Der zum aktiven Zuschauen motivierende Text bewirkt ein Interesse. Man möchte als Zuschauer wissen, wo sich das Auto versteckt hält. Die Frage, ob beim Kunden letztendlich ein Kaufwunsch entsteht oder die Werbung bloß als Film interessant ist, bleibt offen.
Dass die Wahl auf eine emotionale Werbung gefallen ist, erscheint angesichts der Tatsache, dass man mit einem Auto natürlich nicht nur ein Fortbewegungsmittel sondern auch ein (Fahr-)Erlebnis verkaufen möchte, sinnvoll.
Die Werbung bringt gut die lockere Lebensweise der Zielgruppe zum Ausdruck. Beim Zuschauer entsteht unterbewusst das Gefühl, dass man sich mit diesem Fahrzeug glücklich fühlt, da es mit einer positiven Situation (hier dem „Shoppen“) verbunden wird.20 Es entsteht der Gedanke „wenn ich mit diesem Auto fahre, habe ich so viel Spaß, wie beim Einkaufen“). Auch angewandte Kenntnisse über die Neurobiologie lassen sich hier erkennen. Die Produzenten setzen dabei auf Schlüsselreize. Auch wenn wir während der Werbeblöcke geistig abschalten, werden wir wieder wach, sobald wir direkt angesprochen werden, was in Form des Gesangs in gewisser Weise auf diesen Spot zutrifft. Somit wäre die erste Phase der A.I.D.A.-Formel bereits erreicht.
Dieser Werbeform orientiert sich also durchaus an den altbekannten Regeln und Methoden der Werbung, ohne dabei altmodisch zu sein. Mit viel Kreativität wurde der Film gut auf die recht junge Zielgruppe zugeschnitten.


V. REFLEXION DER THEMATIK

V.1 Ausblick auf die tendenzielle Entwicklung

Im Moment ist nicht abzusehen, dass die eingesetzten Gelder für Werbemittel in Zukunft reduziert werden. Schon 1965 machten die Einnahmen der Rundfunkanstalten durch Werbung ein Drittel der gesamten Einnahmen aus21,, was ein Indikator dafür ist, wie viel Geld schon damals für Werbung investiert wurde. Allerdings ist eine Tendenz dahingehend vernehmbar, das sich die Unternehmen zunehmend von der ohnehin schon fast nur noch als störend empfundene aufdringliche Push-Strategie (die Werbung versucht uns zum Kauf zu überreden/drängen) abwenden und mehr auf Pullfaktoren setzen, dem potenziellen Kunden also beispielsweise die Möglichkeit geben, sich für einen gratis online-Newsletter durch eigenen Antrieb zu registrieren.
Werbung kann informieren oder Emotionen erzeugen. Beides erzeugt dann im Endeffekt den bewussten oder unterbewussten Kaufwunsch.
Werbeslogans und Markennamen brennen sich regelrecht in unser Gehirn ein und werden fester Bestandteil unserer Sprache. So ist laut Neon (Sonderausgabe zu den JMT 08) Cola das weltweit am zweithäufigsten gebrauchte Wort.22
Erreichen sie uns auf der emotionalen Ebene, beeinflussen sie unser Handeln ungewollt. Wir kaufen dann Produkte, weil uns „danach war“. Rationale Gründe für den Kauf rücken dabei in den Hintergrund.


V.2 Beurteilung der Themenwahl

Die Thematik hat mich, meinen Erwartungen entsprechend, sehr angesprochen. Während meines Arbeitsprozesses konnte ich mich zusätzliches Wissen über die Neurobiologie aneignen, das über die Inhalte des Biologieunterrichtes hinaus ging. Als sehr interessant hat sich auch die Art der praktischen Anwendung dieser Kenntnisse in der Werbebranche herausgestellt.
Mit der Fernsehwerbung ließ sich in diese Facharbeit ein weiteres meiner Interessengebiete integrieren. Bei der Filmanalyse halfen mir einige Kenntnisse, die ich mir mit dem Amateurfilmteam, dem ich angehöre, angeeignet habe.
Gerade weil aufgrund der vielen neuen Möglichkeiten im Bereich der neuen Medien die Werbung immer mehr zunimmt und in immer mehr Bereiche unseres Lebens vordringt, denke ich, dass dieses Thema auch eine recht starke aktuelle Relevanz für jeden von uns hat, sodass ich sagen kann, dass ich für mich das richtige Thema gefunden habe.


VI. QUELLENANGABE/LITERATURVERZEICHNIS

 arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Vergessen.shtml (abgerufen am 05.01.2009 18.14 Uhr)
 de.encarta.msn.com/encyclopedia_761564117/Kommunikation.html (abgerufen am 25.03.2009 18.57 Uhr)
 de.encarta.msn.com/encyclopedia_761564279/Werbung.html (abgerufen am 25.03.2009 17.21 Uhr)
 www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/hirnforschung-das-werde-ich-nie-vergessen--_aid_191747.html (abgerufen am 05.01.2009 17.48 Uhr)
 www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/hirnforschung-das-werde-ich-nie-vergessen--_aid_191747.html (abgerufen am 05.01.2009 17.48 Uhr)
 www.ford.de/cs/BlobServer?blobtable=MungoBlobs&blobcol=urldata&blobwhere=1214324838039&blobkey=id (abgerufen am 25.03.2009 21.29 Uhr)
 www.ford.de/cs/BlobServer?blobtable=MungoBlobs&blobcol=urldata&blobwhere=1214328289428&blobkey=id (abgerufen am 25.03.2009 19.57 Uhr)
 www.horn-netz.de/seminare/filmanalyse/folien-filmanalyse.pdf (abgerufen am 25.03.2009 11.38 Uhr)
Monika Monzel: In: Werbepsychologie für Job und Alltag. Cornelsen, Berlin-Mitte, 2008, S. 8ff, ISBN 978-589-21931-5
Patrick Bauer: In: Neon November(Sonderausgabe zu den Jugendmedientagen08),
Neon Magazin GmbH, Hamburg, 2008
Bernd Röthlingshöfer: In: Werbung mit kleinem Budget. Dtv, München, 2004, S. 16ff, ISBN 3-423-50876-0
Hans-Gerd Schmidt und Bernd Wiesener: In: Werbefilme Spiegel der Zeiten – Chronik des Alltags. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2002, S. 7, ISBN 3-89534-432-X
Werner Warmbier: In: Der programmierte Kunde. Econ (Ullstein Buchverlage GmbH), Berlin, 2008, S.61, ISBN: 978-3-430-30037-7
 upload.wikimedia.org/wikipedia/de/0/0f/Sender-Empf%C3%A4nger-Modell.png (abgerufen am 05.01.2009 14.10 Uhr)
 de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation (abgerufen am 25.03.2009 18.49 Uhr)
 de.wikipedia.org/wiki/Werbung#Definitionen (abgerufen am 02.01.2009 17.24 Uhr)
 de.wikipedia.org/wiki/AIDA-Modell (abgerufen am 26.03.2009 20.33 Uhr)
 www.zeit.de/1965/14/Ein-Drittel-aus-der-Werbung (abgerufen am 24.03.2009 16.40 Uhr)


VII. SELBSTSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG

Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig angefertigt, keine
anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Facharbeit, die im Wortlaut oder im wesentlichen Inhalt aus anderen Werken entnommen wurden, mit genauer Quellenangabe kenntlich gemacht habe.
Verwendete Informationen aus dem Internet sind der Lehrkraft vollständig im
Ausdruck zur Verfügung gestellt worden.

Dieser Artikel wurde zuletzt geändert am 27.03.2009 17:59


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